Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätte „Kinderhafen“ und Grundschule Karl-von-Ibell

Der Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule ist für Kinder eine entscheidende Schnittstelle. Aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätte und Schule im Bildungsplan verankert und wird schon seit vielen Jahren zwischen dem „Kinderhafen“ und der Diezer Grundschule Karl-von-Ibell praktiziert. Als zentrale Grundlage für eine gemeinsame und erfolgreiche Zusam-menarbeit dient der regelmäßige Kontakt und Austausch zwischen den beiden Einrichtungen.

Hierbei steht das Kennenlernen des Schulweges, der Schule, der Klassenräume – aber auch der zukünftigen Lehrer – im Fokus. Die Kinder sollen emotionale Stärke und Sicherheit aufbauen, damit der Wechsel in die Grundschule leichter fällt. Zu Beginn des neuen Schul-jahres werden unsere Hortkinder zur Schule gebracht und die zukünftigen Schulkinder begleiten die ErzieherInnen auf dem Weg. So lernen sie schon ganz früh den Schulweg kennen.
Es entstehen Patenschaften zwischen Schülern und zukünftigen Erstklässlern, die den Kindern den Einstieg in den kommenden Lebensabschnitt erleichtern.

Zu Beginn des neuen Schuljahres trafen wir uns im September 2009 mit der ersten Klasse von Frau Rasbach. In einer gemeinsamen Aktion in der Schule stellten wir Apfelmus her. Dazu brachten wir Brettchen, Messer und Äpfel in die Schule mit. Zur Begrüßung sangen wir gemeinsam mit den Schulkindern unser Apfellied „Wir lieben Äpfel“ und los ging das Apfelschneiden. Aus den Apfelstücken wurde dann ein Apfelbrei gekocht. Außerdem entstand an diesem Morgen ein Apfelpuzzle, welches angemalt, ausgeschnitten und aufgeklebt wurde.

In der Adventszeit trafen wir uns wieder in der Schule zur „Adventsbäckerei“. Gemeinsam wurden viele Plätzchen ausgestochen, gebacken und verziert.

Ein erstes Kennenlernen mit der vierten Klasse und Herrn Schüler erfolgte dann im März 2010. Diesmal wurden die Vorschulkinder im „Kinderhafen“ von den Viertklässlern abgeholt und zur Schule geführt. Hier stießen auch zum ersten Mal die Vorschulkinder aus Eppenrod dazu. Auf dem Schulhof suchten sich dann alle Vorschulkinder einen Paten. Zunächst noch sehr schüchtern begannen die ersten Gespräche, doch schon nach kurzer Zeit waren alle miteinander vertraut. Nun führten uns die Schulkinder in ihre Klasse und zeigten uns ihren Klassenraum. Nach einer gemeinsamen Unterrichtsstunde, in der erzählt, gemalt und gebastelt wurde, folgten die gemeinsame Frühstückspause und die Erkundung des Pausenhofes. Zu Beginn der nächsten Unterrichtsstunde traf man sich wieder im Klassenraum. Danach machten wir uns in Kleingruppen gemeinsam mit den Paten auf den Weg, die Karl-von-Ibell-Schule im Ganzen zu erkunden und bekamen Klassenräume, Sekretariat, Lehrerzimmer und viele andere Informationen zur Schule gezeigt bzw. erklärt. Leider ging der Vormittag viel zu schnell vorüber und wir mussten wieder zurück in den „Kinderhafen“.

Unter dem Motto „Die Welt der Bücher“ stand dann im April 2010 ein viertägiges Lese-projekt der Kindertagesstätten „Kinderhafen“ in Diez und dem Kindergarten Eppenrod sowie der Grundschule. Frau Anni Vollmers las den Vorschulkindern aus den Kindertagesstätten in dieser Zeit viele interessante Geschichten vor und brachte ihnen so die Welt der Bücher und der Literatur näher. Da gab es zum Einstieg die Geschichte „Der unglaubliche Bücherfresser“ von Oliver Jeffers. Inspiriert von dieser Geschichte, in der es um einen kleinen Jungen namens Henry geht, der Bücher zum Fressen gern hat, gab es am nächsten Tag sogar ein Buch zum Anbeißen. Dieses war von den Kindern aus Eppenrod in Form eines Schokoladen-kuchens gebacken worden. Ebenso wurde in Gemeinschaftsaktion ein Bücherwurm gebastelt, der nun den Eingang vom „Kinderhafen“ schmückt. Des Weiteren durften die Kinder täglich ihre Lieblingsbücher von zu Hause mitbringen und sie sich gegenseitig vorstellen. Hier spiegelten sich die vielfältigen Neigungen und Interessen der Kinder wider. Ihre Buchauswahl war sehr reichhaltig und mit großer Begeisterung stellten sie täglich ihr Lieblingsbuch vor.

Da sich beide Einrichtungen mit dem Thema „Forschen/Experimentieren“ beschäftigen, stellte Frau Vollmers den Kindern u.a. das Buch „Newton und der Apfel“ von Peter Tille vor. Als Antwort auf die Frage “Was haben denn Bücher mit Experimenten/Forschen zu tun?“, kamen die Kinder auch ohne Hilfe: „Na klar, die Wissenschaftler haben alle ihre Entdeckungen aufgeschrieben.“ Ob nun im fließenden Text, in Gedichtform oder in Reimen; beim Vorlesen waren die Kinder stets mucksmäuschenstill und lauschten aufmerksam den Geschichten. Darüber hinaus gestalteten sie sogar ihr eigenes Buch mit Bucheinband und Illustrationen zu den gehörten Geschichten. Fest gebunden, ist es den Kindern ein bleibendes Erinnerungsstück an die Buchwoche. Neben gemeinsamen Lese-, Mal- und Bastelaktionen nahm sich Frau Vollmers immer wieder Zeit, um auf einzelne Kinder einzugehen, Bücher anzuschauen und zu besprechen.

Der Abschluss dieses Projektes fand dann in der Stadtbibliothek in Diez statt. Hier begrüßte die Leiterin, Frau Monika Scharf, auch die Erstklässler und Viertklässler der Karl-von-Ibell-Schule, die sich natürlich im Unterricht mit dem Thema „Die Welt der Bücher“ beschäftigten.

Nachdem jedes Kind Zeit gehabt hatte, die Regale der Bücherei zu durchstöbern, lauschten alle gemeinsam der Lesung von Frau Vollmers. Eine große Bereicherung stellten die selbst gestalteten Bucheinbände vom jeweiligen Lieblingsbuch der Erstklässler dar, die nun in der Bücherei zu besichtigen sind. Aber auch die tollen Zungenbrecher und Abzählverse, vorgetragen von den Viertklässlern, fanden viel Anklang.

Höhepunkt und Abschluss des Vormittags war dann das Steigenlassen der vielen bunten Luftballons mit einem Zettel und der Frage „Welches ist dein Lieblingsbuch?“ Alle Kinder hoffen nun natürlich, dass ihr Ballon gefunden wird und dass viele Antworten den Weg zurück in den „Kinderhafen“ finden.

Mit einer Urkunde der Stadtbibliothek Diez in der Hand machten sich am Ende einer sehr ereignisreichen Woche alle wieder auf den Heimweg.

Dieses Mal fiel uns der Abschied von den Paten nicht ganz so schwer, denn schon eine Woche später trafen wir uns in der vierten Klasse wieder zu einem Experimentiertag.

Die Schüler hatten 6 verschiedene Experimentierstationen im Unterricht vorbereitet, die sie uns an diesem Vormittag vorstellten. Wir staunten nicht schlecht, als sie uns vorführten welche Möglichkeiten es gibt, mit Pfeffer vermengtes Salz zu trennen oder wie man einen Wasserstrahl biegen kann. Da die Schulkinder schon die Experimentierkarten lesen konnten, leiteten sie uns bei den verschiedenen Experimenten an. So konnten wir alle Experimente selbst durchführen und die verschiedenen Phänomene beobachten. Zum Abschluss und zum Andenken an die Paten tauschten wir noch gegenseitig unsere Namensschilder aus.

Das Jahresprojekt endete letzte Woche mit dem Schulbesuch in der ersten Klasse. Schon im Vorfeld waren alle Kinder sehr aufgeregt, denn wir besuchten die Klasse von Herrn Reckert, in die auch unsere Hortkinder gehen. Gespannt hörten alle Kinder beim Handpuppenspiel über einen kleinen Zauberer, der den Kindern von seinem Schulstart erzählt, zu. Mit Stiften durften sie im Anschluss selbst Buchstaben, Zahlen und „Kunstwerke“ auf ihr Arbeitsblatt „zaubern“.
In einem Punkt waren sich alle zukünftigen Erstklässler einig: Der Unterricht in der Schule verging viel zu schnell und am liebsten wären sie schon jetzt dort geblieben.
Erwartungsvoll fiebern sie nun ihrer Einschulung entgegen.