Gartenbau und Ernährungsbildung in der Kita „Kinderhafen“ in Diez

„Wie stellt ihr euch ein Hochbeet vor?“ – Mit dieser Frage begann Ende März dieses Jahres in der Evangelischen Kindertagesstätte „Kinderhafen“ in Diez ein Projekt, das einen vorläufigen Höhepunkt der Einrichtung im Bereich Ernährungsbildung darstellt. Bereits Mitte Februar war die Kita auf eine Ausschreibung des Naturschutzbundes aufmerksam geworden, der mit dem Bau eines Hochbeets für insgesamt 19 rheinland-pfälzische Kindertagesstätten warb. Die Hauptbedingung für eine erfolgreiche Bewerbung bestand in einem KinderGartenpaten, der sich für zwei Jahre der betreffenden Einrichtung sowie ihres Gartenbaus verpflichtete und sich zudem im Rahmen von drei Workshops weiter qualifizieren sollte. Schnell wurde der „Kinderhafen“ in der Person von Herrn Bernd Korntheuer aus Altendiez fündig und nur wenige Tage später kam die Nachricht, dass die Kita als einzige Einrichtung aus dem Rhein-Lahn-Kreis in das Projekt des Naturschutzbundes aufgenommen worden war. Umgehend wurde im „Kinderhafen“ mit der Umsetzung begonnen. Zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Herrn Michael Kürzinger aus Fachingen wurde in einem ersten Schritt ein geeigneter Platz im Außengelände der Kita ausgewählt. Unter der Leitung der pädagogischen Fachkräfte Birgit Backhaus und Richard Lang fertigten die Kinder als nächstes Pläne zu ihren eigenen Vorstellungen eines Hochbeetes an, die anschließend mündlich ausgewertet und mit Hilfe von aus Büchern und Internet zusammengetragenen Informationen ergänzt wurden. Von diesem Zeitpunkt an ging es in die Praxis. Während eine Teilgruppe der Kinder Komposterde mitsamt ihrer tierischen Bewohner unter dem Mikroskop untersuchte, legte eine andere Teilgruppe kleine Hochbeete in hölzernen Obststiegen an, die sie später mit eigenhändig gezogenen Gemüsepflanzen bestückte. In der Zeit vom 09. bis 17. April entstand schließlich das große Hochbeet im Außenbereich des „Kinderhafens“. Von morgens bis nachmittags wurde mit kompetenter, tatkräftiger und engagierter Hilfe von Herrn Korntheuer daran gearbeitet. Zuerst musste aus Brettern und Leisten eine Holzeinfassung gebaut und mit Hasendraht ausgekleidet werden. In einem weiteren Schritt wurden dicke Äste, dünne Äste, Pferdemist sowie ein Gemisch aus Komposterde und Mutterboden – Letzterer wurde von der Firma Hartmann Transportbeton- und Quarzkieswerk gespendet, der Pferdemist von Herrn Günter Lenz aus Altendiez und Herrn Korntheuer angeliefert und umgeladen – nacheinander in dem Gebauten aufgeschichtet. Dank einer elterlichen Spende von Rasenkantensteinen bekam das Beet einen stabilen und ebenen Untergrund. Immer mit dabei waren die insgesamt 45 drei- bis elfjährigen Kinder, die zurzeit die Kindertagesstätte besuchen. Mit großem Einsatz beobachteten, schraubten und befüllten sie und taten es damit ihren erwachsenen Vorbildern gleich. Seitdem ist das Hochbeet-Projekt weiter gewachsen. Zahlreiche Salat- Kräuter- und Gemüsepflanzen besiedeln nun die Oberfläche des großen Hochbeetes. Zudem entsteht gerade in Zusammenarbeit mit dem Hausmeister der Kita, Viktor Post, ein zweites Hochbeet gleichen Aufbaus.

Mit dem Bau der Hochbeete verleiht die Kita „Kinderhafen“ einmal mehr ihrem pädagogischen Schwerpunkt Ernährungsbildung Ausdruck, der in der Konzeption der Einrichtung tief verankert ist, und ergänzt damit ihre Teilnahme am rheinland-pfälzischen Landesprojekt „KiTa isst besser“. Von Beginn ihrer Kindergartenzeit an soll den Kindern vermittelt werden, dass Essen nicht nur den Prozess der Nahrungsaufnahme oder aber die verarbeiteten Lebensmittel beinhaltet, sondern vielmehr ein Überbegriff für ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren darstellt, das im Bewusstsein eines jeden Einzelnen einen festen Platz haben sollte. So werden Lebensmittel gemäß ihrer wortwörtlichen Bedeutung als wichtige Bestandteile des menschlichen Lebens betrachtet, die den Menschen das (Über-)Leben erst ermöglichen und weit mehr leisten, als ihr immer wiederkehrendes Hungergefühl zu stillen. Sie schenken den Menschen ein Stück Lebensqualität und bereichern damit ihr Wohlbefinden. Gleichzeitig lehren sie ihnen, dass Lebensmittel ein privilegiertes Gut sind, dessen Besitz sie zu schätzen wissen sollten.

Dieser wertschätzende und achtsame Umgang mit Lebensmitteln geht für die Bewohner der Kita „Kinderhafen“ gleichsam mit einem Respekt vor der Umwelt, in der sie leben, einher. Um die Kinder für die Herkunft und den Anbau von Obst-, Kräuter- und Gemüsesorten zu sensibilisieren und ihnen etwas Hintergrundwissen in diesem Bereich mit auf ihren weiteren Weg zu geben, werden jedes Jahr von Frühjahr bis Herbst im „Kinderhafen“ die verschiedensten Pflanzen kultiviert. Mit selbst gesammeltem Saatgut werden hierbei zuerst im Innenbereich der Kita zahlreiche Stecklinge herangezogen. Sobald sie groß genug sind und das Wetter es zulässt, werden die Pflänzchen draußen eingesetzt. Unter ständiger Beobachtung der Kita-Bewohner wachsen sie dann stetig weiter, bis ihre Früchte endlich geerntet werden können.

Ob Hochbeete oder Lebensmittelverarbeitung, in der Kita „Kinderhafen“ wird den Kindern das Thema „Essen“ mit seinen verschiedenen Facetten auf vielfältige Art und Weise näher gebracht. Im Vordergrund steht dabei immer die Eigenaktivität der Kinder, die ihre Beobachtungen mit Fotos und selbst gemalten Bildern dokumentieren und somit für die Zukunft festhalten.